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Franziska Stanzel (25) ist Zimmermeisterin

Zwischen Büro und Baustelle: Franziska Stanzel hat eine Zimmerer-Ausbildung gemacht, heute kümmert sie sich im Betrieb um verschiedene Bauprojekte.

Sie war die einzige Frau in ihrer Berufsschulklasse und die einzige Frau auf der Meisterschule: Franziska Stanzel (25) hat eine Zimmerer-Ausbildung gemacht und arbeitet mittlerweile als Zimmermeisterin und staatl. geprüfte Bautechnikerin im familieneigenen Innungsbetrieb Zimmerei Einzinger GmbH in Aßling (Kreis Ebersberg).

Sie erzählt: „Manchmal rufen Kunden bei uns an und denken ich bin die Sekretärin“, lacht sie: „Aber dann erkläre ich ihnen, dass ich ihnen genauso bei ihrem Bauprojekt weiterhelfen kann.“

Endlich mit den eigenen Händen anpacken!

Franziska Stanzel war schon als Kind jeden Samstag in der Zimmerei dabei: „Dadurch war ich schon früh mit dem Werkstoff Holz vertraut.“ Dennoch schlug sie erstmal einen anderen Weg ein und entschied sich für den sozialen Zweig in der Fachoberschule: „Mit Menschen zu arbeiten, hat mir schon immer gefallen.“

Doch während der Praktika, unter anderem im Krankenhaus, merkte sie: „Ich will etwas Praktisches mit meinen Händen machen, selber hinlangen!“

Sie hatte ein Holzbau-Studium im Kopf: „Davor wollte ich eine Lehre machen, damit man die Praxis auf der Baustelle kennt und weiß wovon man spricht.“ Also absolvierte sie von 2013 bis 2015 ihre Zimmerer-Ausbildung und war die einzige Frau im Team.

„Viele hatten Respekt, dass ich die Lehre mache“

Sie erinnert sich: „Da gab es überhaupt keine Probleme. Klar ist der Umgangston auf der Baustelle rauer, aber da muss man schlagfertig sein.“ Und sie ergänzt: „Andere Handwerker und vor allem Bauherren waren schon überrascht, als sie mich gesehen haben. Viele hatten Respekt, dass ich die Lehre mache.“

Einige fragten wegen der körperlichen Arbeit auf der Baustelle nach: „Dann habe ich gesagt: Was ich nicht heben kann, kann ich nicht heben. Das macht dann jemand anders oder er hilft mir – aber das ist genauso wie bei den Jungs“, außerdem gibt es heutzutage technische Hilfsmittel wie Kräne.

Vater und Tochter sind im Familienbetrieb ein Team: Richard Stanzel ist außerdem Obermeister der Zimmerer-Innung Ebersberg.

Heute besteht ihr Arbeitsalltag aus Büro und Baustelle

Muckis zu haben, ist also nicht entscheidend für den Beruf. Was muss eine Zimmerin also mitbringen? Franziska Stanzel: „Mir hat zum Beispiel Mathe und Physik in der Schule viel Spaß gemacht und das ist schon wichtig. Außerdem sollte man ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen haben.“

Das hat Franziska Stanzel. Nach der Lehre begann sie ein Holzbau-Studium an der TH Rosenheim, aber merkte schnell: „Studieren ist nicht meins, das ist mir zu theoretisch.“

Also entschied sie sich für die Technikerschule an der Luisenstraße in München: „Da lernten wir anhand von vielen praxisbezogenen Beispielen, die vor allem in einer Zimmerei weiterhelfen. Für den Meister haben wir das Schiften nach der Flächenmethode geübt, für den Techniker statische und bauphysikalische Berechnungen in Bezug auf Wohnhäuser und Hallen getätigt."

Und sie fügt hinzu: "Wir sind intensiv auf den Holzbau und dem Bauen im Bestand eingegangen - von allem ein bisschen. Das fand ich gut, weil unsere Zimmerei verschiedene Leistungen umfasst, wie Holzhausbau, Dachstühle, Sanierungen usw.“

Franziska Stanzel will die Zimmerei einmal übernehmen

Heute kümmert sie sich im Betrieb um verschiedene Bauprojekte, sie erstellt Angebote, bespricht diese mit Kunden, bestellt Material, schreibt Rechnungen, kümmert sich um das Marketing – und ab und zu ist sie auf der Baustelle dabei: „Die Mischung machts! Ich arbeite sehr gerne draußen.“

Und wenn sie genug vom Arbeitsalltag hat, reitet sie am liebsten auf ihrem Pferd durchs Gelände: „Dafür hat man vor allem im Lockdown viel Zeit und kann es gut machen.“

Einen Plan für die Zukunft des Familienbetriebs hat Franziska Stanzel auch schon: „Bisher habe ich vor, dass ich die Zimmerei übernehme. Seit 1903 führen wir sie in der 3. Generation und da hängt mein Herz dran.“ Von ihren Eltern bekommt sie übrigens keinen Druck: „Die überlassen mir die Entscheidung komplett selbst.“

In ihrer Freizeit ist Zimmermeisterin Franziska Stanzel gerne mit ihren Pferden unterwegs.

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